Barrierefreie Webkonferenzen
- Verschiedene Tools, verschiedene Nutzungsarten
- Verschiedene Menschen, verschiedene Bedürfnisse
- Vorab informieren: Anleitungen
- Technische Voraussetzungen
- Vergleich der Konferenz-Tools auf Barrierefreiheit
- Weitere praktische Tipps und Leitfäden
Die Bedeutung von digitalen Kommunikations-Tools hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Webkonferenzen ersetzen viele persönliche Treffen, auch Veranstaltungen sind häufig in Form von Videokonferenzen oder hybrid. Bei dieser Art der Online-Kommunikation ist es wesentlich, dass auch die umfassende Teilhabe von Menschen mit Behinderung ermöglicht wird, indem die Online-Konferenzen barrierefrei gestaltet werden.
Die Bundesfachstelle hat einen Vergleich der Barrierefreiheit von Videokonferenz-Programmen (PDF, barrierefrei) erstellt, in dem die gängigen Tools bezüglich ihrer Barrierefreiheit bewertet werden.
Verschiedene Tools, verschiedene Nutzungsarten
Welche Webkonferenz-Software oder App für die barrierefreie Online-Kommunikation empfohlen werden kann, hängt immer auch mit dem Nutzungskontext zusammen. Geht es um einen Vortrag mit Beteiligung des Publikums, um E-Learning und digitalen Unterricht, steht ein Meeting an oder gar eine ganze Veranstaltung, die in ein Online-Format verlegt werden soll.
Verschiedene Menschen, verschiedene Bedürfnisse
Je nach Art der Einschränkung haben die Nutzerinnen und Nutzer unterschiedliche Bedürfnisse. Für eine barrierefreie Online-Veranstaltung oder -Konferenz sollten alle Bedürfnisse berücksichtigt werden.
So ist es für blinde und sehbehinderte Menschen bei der Auswahl des passenden Videokonferenz-Tools wichtig, dass dieses kompatibel mit einem Screenreader ist. Welche weiteren Voraussetzungen eine Videokonferenz-Plattform für blinde und sehbehinderte Menschen haben muss, hat der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) zusammengestellt. Mit dieser Checkliste können Tools darauf überprüft werden, ob sie für diese Nutzer/innen barrierefrei sind.
Wenn Präsentationen gezeigt werden, sollten diese (in barrierefreier Form) vorab an die Teilnehmenden versendet werden. Generell ist für die Referierenden zu beachten, dass sie visuell gezeigte Informationen verbalisieren, also mündlich wiedergeben, da die über Webkonferenz-Software geteilten Präsentationen für blinde Menschen oft nicht zugänglich sind.
Für gehörlose Menschen und Menschen mit Hörbehinderung sind eine Übertragung in Deutsche Gebärdensprache und Untertitel wesentlich. Im Bereich Untertitel gibt es Software, die automatische Untertitel erstellt. Ein Gebärdensprachdolmetscher/-in kann durch ein zusätzlich hinzuschaltbares Fenster in das Webkonferenz-Tool integriert werden. Auf die gleiche Art kann man simultane Übertragungen in Leichte Sprache in die Online-Konferenz einbinden, in Form von Untertiteln oder einer dolmetschenden Person.
Vorab informieren: Anleitungen
Vor der Konferenz sollte eine Anleitung für die Nutzung des ausgewählten Webkonferenz-Tools an die Teilnehmenden versendet werden. Wenn diese Anleitung auch in Leichter Sprache angeboten wird, ist dies eine zusätzliche Hilfe für Menschen mit Lernbehinderung oder kognitiver Beeinträchtigung. Ein Beispiel hierfür hat der Verein Kellerkinder für eine Veranstaltung erstellt, bei der das Konferenz-Tool Zoom genutzt wurde:
Zoom-Anleitung in Leichter Sprache (PDF, nicht barrierefrei),
Teilnahme an einer Zoom-Konferenz per Telefon in Leichter Sprache (PDF, nicht barrierefrei).
Technische Voraussetzungen
Sowohl auf Seiten des Veranstalters (Einladenden) als auch auf Seiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist eine gute Internetverbindung Voraussetzung für die barrierefreie Webkonferenz. Denn nur durch optimale Audio- und Videoqualität kann das Zwei-Sinne-Prinzip die uneingeschränkte Teilnahme aller ermöglichen. Blinde und sehbehinderte Teilnehmende sind besonders auf eine gute Tonqualität angewiesen. Für gehörlose Menschen wiederum ist es unerlässlich, den Gebärdensprachdolmetschenden ohne Verzögerungen bei der Bildübertragung sehen zu können.
Sinnvoll ist es daher, die Beteiligten im Vorfeld über die ausgewählte Software zu informieren. So können sie sich vor Beginn der Veranstaltung mit der Technik und der barrierefreien Nutzung vertraut machen. Zudem ist es hilfreich, vorab eine Kontaktperson als Ansprechpartner bei technischen Problemen zu benennen, die vorab und während der Veranstaltung für Fragen zur Verfügung steht. Auch die Wahl eines Tools mit Chatfunktion ist sinnvoll, damit sich Teilnehmende bei technischen Schwierigkeiten stets melden können. Zusätzlich sollte eine weitere Kontaktmöglichkeit über (Bild-)Telefon oder Messenger-Dienst angeboten werden, damit Teilnehmende Probleme mitteilen können.
Vergleich der Konferenz-Tools auf Barrierefreiheit
Die Bundesfachstelle hat in Tabellenform die verschiedenen Online-Konferenz-Programme bezüglich ihrer Barrierefreiheit verglichen. Bewertet wurden die Programme Adobe Connect, BigBlueButton, Cisco Webex, Google Meet, GoToMeeting, Inklusiva Call, Jitsi Meet, Microsoft Teams und Zoom.
Die Übersicht finden Sie hier:
Vergleich der Barrierefreiheit von Videokonferenz-Programmen (PDF, barrierefrei)
Den Inhalt der Tabelle haben wir auch in Leichte Sprache übersetzt.
In Leichter Sprache:
Überblick: Wie barrierefrei sind bekannte Programme
und Apps für Video-Konferenzen?
Weitere praktische Tipps und Leitfäden
Im Folgenden nennen wir einige externe Links mit Bewertungen unterschiedlicher Webkonferenz-Tools und weitere Tipps zur barrierefreien Online-Kommunikation.
Das World Wide Web Consortium (W3C) hat eine ausführliche Seite mit Tipps für barrierefreie Videokonferenzen erstellt. Diese ist jedoch nur in englischer Sprache verfügbar:
W3.org: Accessibility of Remote Meetings
Verschiedene Tools auf deren Barrierefreiheit überprüft hat auch die Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik (BFIT). Sie bewertet die Tools WebEx Meetings, Zoom, Microsoft Teams, BigBlueButton und GoogleMeet in einem ausführlichen Vergleich:
Vergleich von Online-Meeting-Plattformen
Eine Checkliste für Videokonferenz-Plattformen hat der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) erstellt. Mit dieser Liste können Tools darauf überprüft werden, ob sie für blinde und sehbehinderte Menschen geeignet sind.