Online-Workshop zu KoliBri für das Netzwerk digitale Barrierefreiheit
Datum 29.09.2026
In einem Workshop für das Netzwerk digitale Barrierefreiheit wurde die barrierefreie webbasierte Komponentenbibliothek (KoliBri) des ITZBund ausführlich vorgestellt. Mehr als 80 Mitarbeitende von verschiedenen Bundesbehörden kamen am 18. September online zusammen. Christian Brähmig und Martin Oppitz vom ITZBund informierten über die Entstehung der Bibliothek, ihre Einsatzmöglichkeiten sowie technische Hintergründe.
KoliBri – von der Idee zur barrierefreien Komponentenbibliothek
Für Bundesbehörden ist die Umsetzung digitaler Barrierefreiheit gesetzlich vorgeschrieben. Bei der Entwicklung von Webseiten und Webanwendungen müssen dazu mehrere Anforderungen berücksichtigt werden. Es kann jedoch mühsam und fehleranfällig sein, wenn bestimmte Programmierungen für jedes neue Projekt jedes Mal neu entwickelt werden müssen. Das ITZBund hat deshalb die Komponentenbibliothek KoliBri entwickelt. Sie funktioniert wie ein Baukasten und enthält wiederverwendbare Webkomponenten, bei deren Entwicklung alle Anforderungen an die Barrierefreiheit bereits im Code berücksichtigt wurden. Grundlage sind unter anderem die gesetzlichen Vorgaben der Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0), der europäischen Norm EN 301 549 und der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG).
Christian Brähmig erläuterte zunächst die Motivation für die Entwicklung von KoliBri: Ziel war es, eine Komponentenbibliothek bereitzustellen, die in unterschiedlichen Webprojekten eingesetzt und an die jeweiligen Designvorgaben angepasst werden kann. So lassen sich beispielsweise Farben, Formen und Abstände entsprechend dem eigenen Corporate Design oder Styleguide gestalten. Das grundlegende Verhalten und die technische Struktur der Komponenten bleiben dabei erhalten.
Die Komponenten sind standardisiert und enthalten die Semantik barrierefreier Anforderungen. Sie können modular eingesetzt, wiederverwendet und flexibel an unterschiedliche Anwendungsfälle angepasst werden. KoliBri basiert auf dem Standard „Web Components“ des World Wide Web Consortium (W3C) und kann unabhängig von einem bestimmten Web-Framework eingesetzt werden, was diese Komponentenbibliothek besonders flexibel macht.
KoliBri wurde vom ITZBund entwickelt und als Open-Source-Software unter der European Union Public Licence (EUPL) veröffentlicht. Die Bibliothek kann damit von allen genutzt werden: von Behörden aus Bund, Land und Kommunen, von Unternehmen aus der Wirtschaft oder auch Privatpersonen. Die Komponentenbibliothek wird fortlaufend weiterentwickelt, das ITZBund nimmt dafür Rückmeldungen aus der Praxis auf. Auch Beratung zur Nutzung von KoliBri bietet das Team an. Eine Qualitätssicherung der Komponenten wird regelmäßig durchgeführt.
Technische Umsetzung und Einsatzmöglichkeiten
Im zweiten Teil des Workshops stellte Martin Oppitz einige technische Hintergründe und die Umsetzung der Komponenten vor. Die einzelnen KoliBri-Komponenten können zu komplexeren Benutzeroberflächen kombiniert werden. Nach der Einbindung verhalten sie sich wie native HTML-Elemente und sind von sich aus barrierefrei. Auch die responsive Darstellung für unterschiedliche Bildschirmgrößen ist berücksichtigt. Am Beispiel von Formularen wurde unter anderem die Bedeutung eindeutiger Fehlermeldungen für die Barrierefreiheit erläutert. Die Bibliothek stellt dafür entsprechende Komponenten zur Verfügung.
Martin Oppitz betonte, dass KoliBri auch in bestehende Webprojekte integriert werden kann. Einzelne vorhandene Komponenten können dabei schrittweise durch KoliBri-Komponenten ersetzt werden, ohne dass ein größerer Relaunch nötig wäre.
Bekannte offene Punkte von KoliBri werden in einer Dokumentation zu den sogenannten „Known Issues“ festgehalten. Dadurch wird transparent gemacht, in welchen Bereichen derzeit noch Einschränkungen bestehen.
Netzwerk digitale Barrierefreiheit
Seit Sommer 2022 veranstaltet die Bundesfachstelle Barrierefreiheit mindestens zweimal jährlich Netzwerktreffen zur digitalen Barrierefreiheit für Behörden des Bundes. Ziel ist der Austausch und die Vernetzung für die Umsetzerinnen und Umsetzer von digitaler Barrierefreiheit in den Behörden. Aktuell sind bereits über 250 Mitarbeitende von Bundesbehörden Teil des Netzwerks.
Sie möchten auch teilnehmen?
Wenn Sie in einer Bundesbehörde zum Thema digitale Barrierefreiheit arbeiten und Interesse haben, ebenfalls Mitglied im Netzwerk zu werden und an den Treffen teilzunehmen, melden Sie sich bitte bei der Bundesfachstelle:
bundesfachstelle-barrierefreiheit@kbs.de
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Weitere Informationen zum Netzwerk finden Sie hier: Netzwerk digitale Barrierefreiheit
Das nächste Netzwerktreffen in großer Runde wird am 17. November stattfinden.