Bundesfachstelle Barrierefreiheit

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Das Bild verschiedene Piktogramme. Zu sehen sind Buchstaben, Zahlen, Menschen und Hände.  Foto: Bundesfachstelle Barrierefreiheit/Zadel-Sodtke

Praktische Hilfe

Im Bereich Praxishilfen stellen wir Ihnen konkrete Tipps zur Umsetzung von Barrierefreiheit zur Verfügung.

Barrierefreie Webkonferenzen

Durch die Corona-Krise hat die Bedeutung von digitalen Kommunikations-Tools enorm zugenommen. Webkonferenzen haben Veranstaltungen und persönliche Treffen ersetzt. Bei dieser Art der Online-Kommunikation ist es wesentlich, dass auch die umfassende Teilhabe von Menschen mit Behinderung ermöglicht wird, indem die Online-Konferenzen barrierefrei gestaltet werden.

Verschiedene Tools, verschiedene Nutzungsarten

Welche Webkonferenz-Software oder App für die barrierefreie Online-Kommunikation empfohlen werden kann, hängt immer auch mit dem Nutzungskontext zusammen. Geht es um einen Vortrag mit Beteiligung des Publikums, um E-Learning und digitalen Unterricht, steht ein Meeting an oder gar eine ganze Veranstaltung, die in ein Online-Format verlegt werden soll.

Verschiedene Menschen, verschiedene Bedürfnisse

Je nach Art der Einschränkung haben die Nutzerinnen und Nutzer unterschiedliche Bedürfnisse. Für eine barrierefreie Online-Veranstaltung oder -Konferenz sollten alle Bedürfnisse berücksichtigt werden.

So ist es für blinde und sehbehinderte Menschen bei der Auswahl des passenden Videokonferenz-Tools wichtig, dass dieses kompatibel mit einem Screenreader ist. Welche weiteren Voraussetzungen eine Videokonferenz-Plattform für blinde und sehbehinderte Menschen haben muss, hat der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) zusammengestellt. Mit dieser Checkliste können Tools darauf überprüft werden, ob sie für diese Nutzer/innen barrierefrei sind.

Wenn Präsentationen gezeigt werden, sollten diese (in barrierefreier Form) vorab an die Teilnehmenden versendet werden. Generell ist für die Referierenden zu beachten, dass sie visuell gezeigte Informationen verbalisieren, also mündlich wiedergeben, da die über Webkonferenz-Software geteilten Präsentationen für blinde Menschen oft nicht zugänglich sind.

Für gehörlose Menschen und Menschen mit Hörbehinderung sind eine Übertragung in Deutsche Gebärdensprache und Untertitel wesentlich. Im Bereich Untertitel gibt es Software, die automatische Untertitel erstellt. Ein Gebärdensprachdolmetscher/-in kann durch ein zusätzlich hinzuschaltbares Fenster in das Webkonferenz-Tool integriert werden. Auf die gleiche Art kann man simultane Übertragungen in Leichte Sprache in die Online-Konferenz einbinden, in Form von Untertiteln oder einer dolmetschenden Person.

Vorab informieren: Anleitungen

Vor der Konferenz sollte eine Anleitung für die Nutzung des ausgewählten Webkonferenz-Tools an die Teilnehmenden versendet werden. Wenn diese Anleitung auch in Leichter Sprache angeboten wird, ist dies eine zusätzliche Hilfe für Menschen mit Lernbehinderung oder kognitiver Beeinträchtigung. Ein Beispiel hierfür hat der Verein Kellerkinder für eine Veranstaltung erstellt, bei der das Konferenz-Tool Zoom genutzt wurde:
Zoom-Anleitung in Leichter Sprache (PDF, nicht barrierefrei),
Teilnahme an einer Zoom-Konferenz per Telefon in Leichter Sprache (PDF, nicht barrierefrei).

Technische Voraussetzungen

Sowohl auf Seiten des Veranstalters (Einladenden) als auch auf Seiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist eine gute Internetverbindung Voraussetzung für die barrierefreie Webkonferenz. Denn nur durch optimale Audio- und Videoqualität kann das Zwei-Sinne-Prinzip die uneingeschränkte Teilnahme aller ermöglichen. Blinde und sehbehinderte Teilnehmende sind besonders auf eine gute Tonqualität angewiesen. Für gehörlose Menschen wiederum ist es unerlässlich, den Gebärdensprachdolmetschenden ohne Verzögerungen bei der Bildübertragung sehen zu können.

Sinnvoll ist es daher, die Beteiligten im Vorfeld über die ausgewählte Software zu informieren. So können sie sich vor Beginn der Veranstaltung mit der Technik und der barrierefreien Nutzung vertraut machen. Zudem ist es hilfreich, vorab eine Kontaktperson als Ansprechpartner bei technischen Problemen zu benennen, die vorab und während der Veranstaltung für Fragen zur Verfügung steht. Auch die Wahl eines Tools mit Chatfunktion ist sinnvoll, damit sich Teilnehmende bei technischen Schwierigkeiten stets melden können. Zusätzlich sollte eine weitere Kontaktmöglichkeit über (Bild-)Telefon oder Messenger-Dienst angeboten werden, damit Teilnehmende Probleme mitteilen können.

Praktische Tipps und Leitfäden

Im Folgenden nennen wir einige Links mit Bewertungen unterschiedlicher Webkonferenz-Tools und weitere Tipps zur barrierefreien Online-Kommunikation.

Einen Leitfaden für barrierefreie Online-Veranstaltungen hat Domingos de Oliveira verfasst. Zudem beschreibt er in einem weiteren Artikel, welche technischen Voraussetzungen barrierefreie Online-Kommunikation benötigt.

Der BAG SELBSTHILFE e.V. hat einen sehr umfangreichen „Leitfaden Online-Konferenz-Tools“ (PDF, nicht barrierefrei) erstellt. Darin bewertet sie auch die verschiedenen Webkonferenz-Tools und ihre Barrierefreiheit. Sogar Hinweise zum Datenschutz sind enthalten.

Wichtige Tipps für die Organisation einer barrierefreien Videokonferenz hat auch Thinh-Lay Wonesky in ihrem Blog zusammengestellt.
Sie hat außerdem Bewertungen der Barrierefreiheit einzelner Tools veröffentlicht: von Google Meet, Zoom und Microsoft Teams.

Auch die World Blind Union hat die verschiedenen Tools auf Barrierefreiheit verglichen und in ihrem Bericht Overview on Accessibility of Video Conferencing Apps and Services“ (Word-Datei, Englisch) veröffentlicht.

Die Kommune Inklusiv Erlangen und die Kommune Inklusiv Nieder-Olm haben eine kurze Übersicht mit Hinweisen zur Barrierefreiheit bei Zoom-Konferenzen (PDF, nicht barrierefrei) erstellt. Die meisten Punkte gelten ebenso für andere Videokonferenzlösungen.
Was in diesem Dokument noch fehlt, ist das Thema Untertitel. Möglichkeiten der automatischen Live-Untertitel in Online-Konferenzen beschreibt Beatriz González in einem Artikel.

Eine Checkliste für Videokonferenz-Plattformen hat der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) erstellt. Mit dieser Liste können Tools darauf überprüft werden, ob sie für blinde und sehbehinderte Menschen geeignet sind.